Sitemap   |   
 
Sie sind hier: 

Dispensierrecht: Medikamente in Einzelfällen direkt vom Arzt

Eine der Forderungen des Volksbegehrens „SOS Medizin“

Eine der Forderungen des Volksbegehrens „SOS Medizin" der NÖ Ärztekammer ist die vereinzelte direkte Abgabe von Medikamenten durch niedergelassene Ärzte. Obwohl ein solches eingeschränktes Dispensierrecht nur im Falle medizinscher oder sozialer Indikation gelten soll, löste die Forderung danach bei der Apothekerkammer vehemente Kritik aus. Aus Sicht der Interessensvertretung der Apotheker ist dies auf den ersten Blick durchaus nachvollziehbar, allerdings auf den zweiten nicht mehr, denn es geht bei diesem eingeschränkten Dispensierrecht lediglich um ein kleines Sortiment an Medikamenten, das in Einzelfällen direkt vom Arzt an seine Patienten abgegeben werden darf.

Ein eingeschränktes Dispensierrecht wird niemals eine ärztliche Hausapotheke oder öffentliche Apotheke ersetzen und soll auch keine Konkurrenz darstellen. Ärztliche Hausapotheken und öffentliche Apotheken bieten ein sehr breites Angebot an Medikamenten, das mit einem eingeschränkten ärztlichen Dispensierrecht keinesfalls vergleichbar ist. Letzteres umfasst zehn bis 20, in einzelnen Fächern eventuell 25 Medikamente pro Fachgruppe, die aus medizinischen oder sozialen Gründen direkt vom Arzt in der Ordination oder auch bei Visiten abgegeben werden können. Vorteile für uns wären ein rascherer Therapiebeginn und eine höhere Compliance. Mit sozialer Indikation sind Situationen gemeint, in denen immobile Menschen nicht oder nur schwer die Möglichkeit haben, eine öffentliche Apotheke aufzusuchen. Ein direkt abgegebenes Arzneimittel erspart uns Ärzten viel Sorge und den Patienten viel Aufwand.

Kooperation zwischen Ärzten und Apotheken: wünschenswerte Neuerung

Sowohl die Ärzte- als auch die Apothekerkammer wissen, dass es in vielen Gegenden eine gute Zusammenarbeit zwischen den örtlichen Ärzten und Apothekern gibt. Ich könnte mir daher auch beim eingeschränkten Dispensierrecht vorstellen, dass Ärztinnen und Ärzte mit ortsansässigen Apotheken zusammenarbeiten. Warum soll ein Arzt die Medikamente, die er an seine Patienten abgibt, nicht zuvor über die örtliche Apotheke beziehen? Dass für solche innovativen Schritte Gesetzesänderungen notwendig wären, steht außer Zweifel, aber Ärzte und Apotheker haben auch in der Vergangenheit schon öfters bewiesen, dass sie erfolgreich gemeinsame Weg gehen können. Wie diese neue Kooperation zwischen Apotheken und Ordinationen aussehen kann, sollte gemeinsam mit Apothekern entwickelt werden. Ich habe dazu jedenfalls viele Ideen.

Dr. Christoph Reisner, MSc
Präsident der NÖ Ärztekammer

 

 

 
Artikelversion vonBarbara Platl
27.01.2017
Jobbörse
Ordinationsbörse
Aktuelles NÖ Consilium
Aktuelle Sprechstunde
Newsletter
Fortbildungskalender
Notarztkurse
Präsident Dr. Reisner informiert
Ärztin/Arzt & Sucht
Vidoe Blogs
PSY-Medizin
Beruf und Kind