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NÖ Consilium: „ELGA – die Ruhe vor dem Sturm“, von Präsident Dr. Reisner, MSc

Bis Mitte 2016 startet ELGA in allen NÖ Krankenhäusern – Ärztekammerpräsident konkretisiert die Kritikpunkte im aktuellen Editorial der Kammerzeitung

Presseinfo vom 14.04.2016

„ELGA – die Ruhe vor dem Sturm“ tituliert der Präsident der NÖ Ärztekammer, Dr. Christoph Reisner, MSc, sein Editorial in der April-Ausgabe des „Consilium“, dem offiziellen Organ der NÖ Ärztekammer, das die Ärzte Niederösterreichs in den nächsten Tagen erreichen wird. Ruhig war es in letzter Zeit rund um die elektronische Gesundheitsakte ELGA, doch Präsident Reisner ist sich sicher, diese Ruhe täuscht. An der Umsetzung der elektronischen Gesundheitsakte in Niederösterreich wird von der ELGA GesmbH derzeit intensiv gearbeitet. Ein Aufschrei der Entrüstung von Seiten der Ärzteschaft in Wien und der Steiermark, wo mit der ELGA im Dezember 2015 in den Krankenhäusern gestartet wurde, ist bisher ausgeblieben. Zu Unrecht, wie Präsident Reisner in vier Kritikpunkten zusammenfasst.

Auf den ersten Blick ändert sich für die Ärztinnen und Ärzte in den niederösterreichischen Krankenhäusern nicht viel. Schon bisher speichern sie Befunde in einem krankenhausinternen Datenerfassungssystem. In ELGA passiert vorerst nicht viel anderes. Und da rückwirkend keine Daten in ELGA eingespielt werden, ist der viel diskutierte und heftig umstrittene Datenakt vorerst auch noch leer. ELGA ist damit zwar für den Patienten zum Betrachten seiner Daten geeignet, als nützliches Arbeitsgerät für Ärzte allerdings völlig ungeeignet.

Kritikpunkt 1: Speicherung der unstrukturierten Befunde im pdf-Format

„Einen Befund unstrukturiert als pdf zu speichern, füllt zwar die vorerst noch leere Gesundheitsakte eines Patienten. Solange aber eine effektive Suche nach relevanten Daten in ELGA nicht gewährleistet ist, bleibt es lediglich beim Befüllen eines Aktes oder einer ‚Daten-Schachtel‘“, stellt Reisner die Sinnhaftigkeit der derzeitigen Vorgehensweise und den Mehrwert durch ELGA in Frage. „Derzeit werden nur ärztliche und pflegerische Entlassungsbriefe mit relevanten Labor- und Radiologieinformationen sowie ambulante Labor- und Radiologiebefunde als pdf-Dateien in ELGA gespeichert. Bilder von Röntgen-, MR-, CT- oder Ultraschalluntersuchungen werden hingegen nicht gespeichert, auch keine Basisgesundheitsdaten wie Blutgruppe, Allergien, Impfungen und Medikamentenunverträglichkeiten oder Anamneseberichte. Genauso wenig werden medizinische Grunddaten wie Cholesterin-, Blut- und Harnwerte erfasst und aufbereitet, um Krankheitstrends zu erkennen.“

Kritikpunkt 2: Garantierte Verfügbarkeit von Daten nur zu Kernzeiten

Die jüngste ELGA-Verordnung hält fest, dass die ELGA-Betreiber den Datenspeicher und das Verweisregister nur von Montag bis Donnerstag von 8:30 bis 16:30 und am Freitag von 8:30 bis 13:30 sicherzustellen haben. Reisner: „Es versteht sich jedoch von selbst, dass wir Ärztinnen und Ärzte auch außerhalb dieser Zeiten Patienten behandeln und künftig mit ELGA arbeiten werden müssen.“

Kritikpunkt 3: Fehlende Datensicherheit

Auch wenn ELGA bereits seit letztem Jahr in Betrieb ist, ein ELGA-Datenspeicher benötigt erst ab 1. Juli 2016 einen Nachweis zur Datensicherheit. Auch über den 1. Juli 2016 hinaus müssen die in ELGA gespeicherten Daten nicht verschlüsselt werden, lediglich der Transport hat verschlüsselt zu erfolgen. „Die von der Politik und der ELGA GesmbH hochgelobte Datensicherheit weist daher weiterhin große Lücken auf“, beteuert Präsident Reisner.

Kritikpunkt 4: Situatives Opt-out, das heißt Streichung einzelner Behandlungsdaten

Hinter dem sperrigen Begriff „situatives Opt-out“ versteckt sich die gesetzlich geregelte Möglichkeit, der Aufnahme eines konkreten Behandlungs- oder Betreuungsfalls in die Gesundheitsakte zu widersprechen. „Dies bedeutet zwar eine Stärkung der Patientenrechte, die damit verbundene Informationspflicht der Ärzte führt aber zu einem beträchtlichen Mehraufwand in den Krankenhäusern. So müssen Patienten in vier Fällen nachweislich und mündlich über ihr Opt-out-Recht informiert werden: Bei psychiatrischen Hauptdiagnosen, HIV-Infektionen, bei Schwangerschaftsabbrüchen und teilweise bei genetischen Untersuchungen“, ergänzt Präsident Reisner. Auch hat der Patient das Recht, über das Internet e-Befunde und Medikationsdaten auszublenden. Die e-Medikation ist darüber hinaus der bislang einzige getestete ELGA-Bereich mit katastrophalem Ergebnis. Die Interaktionsprüfung, die eine zentrale Medikamentenverwaltung gerechtfertigt hätte, wurde gestrichen.

Fahrplan bis 2022

Im ersten Halbjahr 2016 nehmen alle Krankenhäuser in Niederösterreich ELGA in Betrieb, weiters die sieben Unfallkrankenhäuser der AUVA und das Wiener Hanusch-Krankenhaus. Zug um Zug führen auch die öffentlichen Spitäler der anderen Bundesländer ELGA ein. Im ersten Halbjahr 2016 startet zudem die ELGA-Funktion „e-Medikation" im Bezirk Deutschlandsberg in der Steiermark. Niedergelassene Ärztinnen und Ärzte können ab Mitte 2016 und müssen ab Mitte 2017 teilnehmen, nach derzeitigem Fahrplan gleichzeitig auch Kassenambulatorien und Privatspitäler. Zahnärztinnen und Zahnärzte folgen 2022. Bis dahin soll der Vollbetrieb umgesetzt sein.

„Österreichweit haben sich bereits 245.000 Menschen von ELGA abgemeldet – ich bin sicher, es werden noch viele hinzukommen. Sollen wir mit ELGA arbeiten, muss die Gesundheitsakte benutzerfreundlich werden und rund um die Uhr verfügbar sein“, lautet das Fazit des Präsidenten der NÖ Ärztekammer. „Aus heutiger Sicht bedeutet die Umsetzung von ELGA aber, dass die behandelnden Ärztinnen und Ärzte aufgrund der elektronischen Gesundheitsakte letztendlich kein umfassendes Bild bekommen, was ja eigentlich die Stärke von ELGA sein sollte.“


Rückfragehinweise:

Ärztekammer für Niederösterreich
Presse, PR & Kommunikation
Mag. Birgit Jung, Tel. 0676/848457 323
presse@arztnoe.at, www.arztnoe.at 

 
KontaktÄrztekammer für Niederösterreich
Presse, PR & Kommunikation
Mag. Birgit Jung,
Tel. 0676/848457 323
presse@arztnoe.at
Artikelversion vonDaniela Indich
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