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Arztbesuch - Häufig gestellte Fragen (FAQ´s) zum Arztbesuch

Die Beschwerdestelle gibt Antworten auf häufig gestellte Fragen der PatientInnen

Hinweise:
  • Im folgenden Text wird aus Gründen der besseren Lesbarkeit auf geschlechtergerechte Formulierung verzichtet. Die männliche Form gilt selbstverständlich für beide Geschlechter.
  • Wird im Folgenden auf Regelungen der Krankenversicherungsträger (Gesamtvertrag, Honorarordnung) Bezug genommen, ist zu beachten, dass die Detailregelungen bei den bundesweiten Versicherungsträgern voneinander abweichen können.
 
Kann ich meinen Arzt frei auswählen?

In Österreich besteht das Recht auf freie Arztwahl. Dies bedeutet, dass Patienten sich grundsätzlich aussuchen können, von welchem (niedergelassenen) Arzt oder von welcher sonstigen Gesundheitseinrichtung sie behandelt werden möchten. Patienten können also selbst entscheiden, ob sie Ärzte mit Kassenvertrag (bzw. Vertragsambulatorien) oder Wahlärzte aufsuchen. Bei gewissen Fachärzten bedarf es vor der Konsultierung allerdings einer Zuweisung von Ärzten für Allgemeinmedizin oder Fachärzten (zuweisungspflichtig sind Fachärzte für Radiologie, Physikalische Medizin, Pathologie und Medizinische und chemische Labordiagnostik).


 
Was ist der Unterschied zwischen Vertrags- und Wahlärzten?
  • Vertragsärzte haben einen Vertrag mit einem oder mehreren Krankenversicherungsträgern (in der überwiegenden Anzahl der Fälle insbesondere mit der Gebietskrankenkasse). Die Versicherten werden bei Inanspruchnahme von Kassenleistungen mittels E-Card mit keinerlei Kosten belastet (Ausnahmen: Selbstbehalt bei einigen „kleinen" Kassen). Allerdings werden von den Krankenkassen nicht alle ärztlichen Leistungen übernommen, Privatleistungen sind dem Arzt vom Patienten zu vergüten.

  • Wahlärzte haben keinen Vertrag mit Krankenversicherungsträgern. Das Honorar ist an den Arzt zu entrichten. Eine teilweise Refundierung kann beim zuständigen Krankenversicherungsträger im Wege der Wahlarzt-Verrechnung beantragt werden (in der Regel werden nur 80 % jenes Betrages, der für die Krankenkasse bei Inanspruchnahme eines Vertragsarztes angefallen wäre, erstattet). Rezepte von Wahlärzten müssen von der Krankenkasse genehmigt bzw. „umgeschrieben" werden, um die Medikamente in der Apotheke gegen Zahlung der Rezeptgebühr erhalten zu können. Anmerkung: Ab 1.1.2015 tritt eine Regelung in Kraft, die eine beschränkte Rezepturbefugnis von Wahlärzten umfasst. Zudem übernehmen Apotheken auch jetzt bereits überwiegend die Formalitäten der Bewilligung, zumindest den grünen Bereich des Erstattungskodex betreffend (frei verschreibbare Medikamente)

  • Privatpraxen sind Ordinationen, in denen weder eine kassenärztliche noch eine wahlärztliche Verrechnung möglich ist; Patienten haben hier die gesamten Honorarkosten selbst zu entrichten.

 
Können Ärzte die Aufnahme von Patienten bzw. die Behandlung verweigern?

Entsprechend der freien Arztwahl der Patienten können sich auch Ärzte grundsätzlich aussuchen, mit wem sie einen Behandlungsvertrag eingehen.

Allerdings sind Kassenvertragsärzte durch den Gesamtvertrag verpflichtet, die Anspruchsberechtigten jener Krankenkassen, mit denen sie in Vertrag stehen, zu behandeln. Vertragsärzte können die Behandlung von Versicherten in „berechtigten Fällen" aber ablehnen (etwa aus medizinischen Gründen). Auch eine Nichtbeachtung der Mitwirkungserfordernisse durch Patienten oder ein Verlust des Vertrauensverhältnisses kann Vertragsärzte zu einer Ablehnung berechtigen.


 
Habe ich ein Recht auf Ausstellung einer Zeitbestätigung beim Arztbesuch?

Grundsätzlich haben Patienten in Kassenordinationen ein Recht auf Ausstellung einer Zeitbestätigung, auch wenn der Arztbesuch nur kurz gedauert hat und die E-Card nicht gesteckt wurde. Allerdings kann der Arzt für die Ausfertigung ein Honorar verlangen, wobei - gemäß Empfehlungstarifen der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) - ein Honorar von derzeit bis 15,-- € als angemessen betrachtet wird. (Es handelt sich hierbei um eine Privatleistung, deren Kosten von den Krankenversicherungsträgern nicht übernommen werden.)


 
Was versteht man unter der ärztlichen Verschwiegenheitspflicht?

„Der Arzt und seine Hilfspersonen sind zur Verschwiegenheit über alle ihnen in Ausübung ihres Berufes anvertrauten oder bekannt gewordenen Geheimnisse verpflichtet." (§ 54 Ärztegesetz)

Patienten müssen darauf vertrauen können, dass das dem Arzt Anvertraute niemand anderem zu Ohren kommt.
Der Verschwiegenheitspflicht unterliegt:

  • ob der Patient überhaupt krank ist
  • ob der Patient ärztliche Hilfe in Anspruch genommen hat
  • Name, persönliche, wirtschaftliche und sonstige Verhältnisse des Patienten
  • die Untersuchungsergebnisse

Es gibt allerdings einige, im Ärztegesetz festgehaltene Ausnahmen von der Verschwiegenheitspflicht, die zu einer Durchbrechung dieses Grundsatzes führen können (etwa Entbindung auf Wunsch des Patienten).
Für die Behandlung einer Beschwerde in der Ombudsstelle für Patientenbeschwerden ist unter bestimmten Voraussetzungen eine solche Entbindungserklärung notwendig.


 
Kann ich Einsicht in meine Krankenakte verlangen?

Ja, im Rahmen des Patienten-Auskunftsrechts gemäß § 51 Ärztegesetz sind Ärzte verpflichtet, den Patienten Einsicht in die Dokumentation zu gewähren oder gegen Kostenersatz (Kopierkosten) die Herstellung von Abschriften zu ermöglichen. Allerdings sind Ärzte nicht verpflichtet, die Abschriften auf dem Postweg an die Patienten zu übermitteln.

Eine ähnliche Regelung gilt für Patienten in Krankenhäusern: Gemäß § 21 Abs. 3 NÖ Krankenanstaltengesetz ist Patienten (oder deren Vertrauensperson) über Wunsch grundsätzlich Einsicht in die Krankengeschichte zu gewähren oder ihnen gegen angemessenen Kostenersatz eine Abschrift derselben zu übermitteln.


 
Wie hat die Terminvereinbarung mit der Ordination zu erfolgen?

Es gibt keine Regelungen bezüglich Terminvereinbarung, d. h. es liegt im Ermessen des jeweiligen Arztes, wie die Vereinbarungspraxis gehandhabt wird. Ein modernes Terminmanagement in der Ordination sollte aber auch die Möglichkeit einer telefonischen Terminvereinbarung bieten. Oft sind im Rahmen der Ordinationszeiten bestimmte Zeiten für die Annahme von Telefonaten zur Terminvereinbarung vorgesehen.


 
Ich habe einen vereinbarten Arzttermin versäumt. Kann man von mir Kostenersatz verlangen?

Grundsätzlich sollten Arzttermine selbstverständlich eingehalten und bei Verhinderung rechtzeitig abgesagt werden. Wurde allerdings ein vereinbarter Termin unentschuldigt nicht wahrgenommen, sind Ärzte in der Regel berechtigt, von nicht erschienenen Patienten ein angemessenes Honorar zu verlangen. Ärzte sind auch Unternehmer, denen durch ein derartiges Patientenverhalten ein nicht unerheblicher wirtschaftlicher Schaden zugefügt wird. Der vorgesehene Kostenersatz sollte den Patienten durch Aushang in der Ordination bzw. durch eine Information auf der Homepage des Arztes oder auf dem Anamneseblatt kundgemacht werden.


 
Sind Ärzte verpflichtet, Hausbesuche zu tätigen?

Hier muss unterschieden werden:

- Wahlärzte sind nicht verpflichtet, Hausbesuche durchzuführen.

- Kassenvertragsärzte sind zum Hausbesuch verpflichtet, wenn dem Patienten aufgrund seines Zustandes ein Aufsuchen der Praxis nicht zugemutet werden kann.

  • Für Kassenärzte für Allgemeinmedizin besteht die Verpflichtung zu Krankenbesuchen, wenn sie als nächsterreichbarer Arzt in Anspruch genommen werden. In Orten bis 5000 Einwohner gelten grundsätzlich alle Kassenärzte für Allgemeinmedizin als nächsterreichbar. In Orten mit mehr als 5000 Einwohnern sind Kassenärzte für Allgemeinmedizin in der Regel nur innerhalb eines Umkreises von einem Kilometer - gerechnet von der Ordinationsstätte - zu Krankenbesuchen verpflichtet, es sei denn, dass er als nächsterreichbarer Vertragsarzt in Anspruch genommen wird.
  • Für Kassenfachärzte besteht die Verpflichtung zu Krankenbesuchen nur dann, wenn der Erkrankte schon in ihrer Behandlung steht, nicht ausgehfähig ist und am Niederlassungsort des Vertragsfacharztes wohnt oder wenn er vom Hausarzt als nächsterreichbarer Facharzt berufen wird.
  • Detaillierte Regelungen zu den Grenzen der Erreichbarkeit („Umkreis") für bestimmte Städte in Niederösterreich sind in den „Vereinbarungen zum Gesamtvertrag" enthalten.

Von plötzlichen schweren Erkrankungen und Unglücksfällen abgesehen, sind Krankenbesuche nach Möglichkeit bis 9 Uhr vormittags beim Arzt anzumelden. Der Arzt wird versuchen, dem Hausbesuchswunsch innerhalb angemessener Zeit nachzukommen. Bei vielen Ärzten sind für die Durchführung von Krankenbesuchen gewisse Zeiten vorgesehen.


 
Ist es möglich, meinen Arzt zu wechseln?

Wahlärzte können jederzeit gewechselt werden.

Bei Kassenvertragsärzten gilt Folgendes:

  • Am Beginn eines neuen Quartals kann jederzeit gewechselt werden (d.h., wenn bei dem vorigen Arzt im betreffenden Quartal noch nicht die E-Card gesteckt wurde).
  • Während des laufenden Quartals kann aus wichtigen Gründen (z. B. Vertrauensverlust) mit Zustimmung des jeweiligen Krankenversicherungsträgers gewechselt werden. In diesem Fall kontaktieren Sie bitte die zuständige Bezirks-/Dienststelle Ihrer Krankenversicherung zwecks Freischaltung Ihrer E-Card (Externe Verknüpfung www.sozialversicherung.at).
  • Falls Sie bei der NÖ Gebietskrankenkasse versichert sind, ist das Ersuchen um Freischaltung der E-Card ausnahmslos schriftlich unter Angabe einer Begründung an die Ombudsstelle der NÖ GKK zu richten ( Externe Verknüpfung www.noegkk.at).

 
Kann ich zum Arztbesuch eine Vertrauensperson mitnehmen?

Grundsätzlich ist es aufgrund der ärztlichen Verschwiegenheitspflicht nicht zulässig, eine Vertrauensperson zu einer ärztlichen Untersuchung mitzunehmen. Allerdings gibt es einige Ausnahmen, insbesondere wenn Patienten in irgendeiner Form eingeschränkt sind. Beispiele:

  • Behinderung
  • Sprachproblem
  • Besachwaltung
  • Kinder
  • Bei stationärer Aufnahme im Krankenhaus, wenn die Beiziehung einer Vertrauensperson ohne Verletzung der ärztlichen Verschwiegenheitspflicht möglich ist.
  • Wenn der Patient der Hinzuziehung einer Vertrauensperson ausdrücklich zugestimmt hat (Entbindung von der Geheimhaltung).

Die Beurteilung, ob die Mitnahme einer Vertrauensperson zulässig ist oder nicht, muss folglich in jedem Einzelfall gesondert erfolgen.


 
Kann ich mich auch rückwirkend krank melden?

Die Aufnahme in den Krankenstand kann grundsätzlich nur mit dem Tag erfolgen, mit welchem die Arbeitsunfähigkeit vom behandelnden Kassenvertragsarzt festgestellt wurde. Eine rückwirkende Aufnahme in den Krankenstand für mehr als einen Tag steht nur dem Chef-(Kontroll-)Arzt des Versicherungsträgers auf Grund eines Vorschlags des behandelnden Kassenvertragsarztes zu.


 
Mein Hausarzt hat heute erst am Nachmittag Ordination. Kann ich bei akuter Erkrankung am Vormittag vertretungsweise einen anderen Arzt aufsuchen?

Auch bei der „freien Arztwahl" gibt es Grenzen: Grundsätzlich sollte stets der reguläre Hausarzt aufgesucht werden. Falls ein Patient in der genannten Fallkonstellation einen anderen Arzt für Allgemeinmedizin aufsucht, muss er klar darlegen können, weshalb es ihm nicht möglich ist, seinen Hausarzt zu besuchen.


 
Wie aussagekräftig sind Arztbewertungsportale im Internet?

Online-Arztbewertungsportale wie etwa docfinder.at oder arztsuche24.at stehen in keinem wie immer gearteten Zusammenhang zur Ärztekammer. Über die Seriosität dieser Anbieter bzw. über die Qualität der Einträge können daher seitens der Ärztekammer bzw. der Ombudsstelle für Patientenbeschwerden keine Aussagen getroffen werden. Im Falle von Beschwerden über unvollständige oder fehlerhafte Einträge in diesen Portalen ist es erforderlich, sich direkt an jeweiligen Betreiber bzw. Anbieter zu wenden.

Für die Arztsuche im Internet empfehlen wir, die Ärzteverzeichnisse der jeweiligen Landesärztekammern (in NÖ: www.arztnoe.at, unter „Ärzte & Spitäler") heranzuziehen, da diese den aktuellen Stand aus der Ärzteliste abbilden.

 

 
Artikelversion vonBarbara Platl
29.11.2017
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