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e-Medikation ohne Apotheken undenkbar

Presseinfo vom 01.02.2010

Medizinischer Sinn und Patientennutzen sind ohne die Einbindung von rezeptfreien Präparaten nicht vorhanden

„Sinn von E-Medikation soll sein, einerseits Doppelverschreibungen zu vermeiden und andererseits Wechselwirkungen zwischen Medikamenten leichter entdecken zu können", so der Präsident der Niederösterreichischen Ärztekammer Dr. Christoph Reisner. Er ist daher fest davon überzeugt, dass noch vor Einsatz dieses elektronischen Hilfsmittels alle Für und Wider bedacht werden müssen. „So was hat nur einen Sinn, wenn alle Berufsgruppen, die im Zusammenhang mit Medikamenten stehen, auch zweckdienlich in die E-Medikation eingebunden werden", so Präsident Dr. Reisner.

Dr. Wolfgang Geppert, Medikamentenreferent der Ärztekammer erläutert: „Wir Ärztinnen und Ärzte verfügen bereits über entsprechende Module im Rahmen unserer Ärztesoftware. Nun werden wir bald zusätzlich die Verschreibungen anderer Ärztinnen und Ärzte verfolgen und berücksichtigen können. Trotzdem sollten die Apotheken in die E-Medikation eingebunden werden, da auch die Wechselwirkungen mit apothekenpflichtigen, aber rezeptfreien Präparaten von medizinischer Relevanz sind und wir Ärztinnen und Ärzte als alleinige Verantwortliche für die Medikation im rezeptpflichtigen Bereich daher auch diese Informationen bekommen müssen."

Im rezeptpflichtigen Bereich werden keine Apotheker gebraucht

Dr. Geppert kann die abwehrende Reaktion der Apothekerkammer daher nicht nachvollziehen: „Die einzige Entscheidungsmöglichkeit eines Apothekers ist die Entscheidung über rezeptfreie Präparate. Wenn diese bei einer E-Medikation nicht berücksichtigt werden, braucht man die Apotheken überhaupt nicht einzubinden. Über rezeptpflichtige Medikamente entscheiden ausschließlich die Ärztinnen und Ärzte. Und das wird sich auch durch eine E-Medikation nicht ändern", so Dr. Geppert weiter.

Im Rahmen des Pilotprojektes „Medikamentensicherheitsgurt" in Salzburg konnte man bereits die Wichtigkeit der Einbindung der rezeptfreien Präparate erkennen. „Bei mehr als 90 Prozent der während der Probephase entdeckten Wechselwirkungen waren rezeptfreie Präparate im Spiel. Es ist aus medizinischer Sicht geradezu fahrlässig, diese bei der E-Medikation nicht zu berücksichtigen."

Apotheker sollen endlich einmal Innovationen mittragen

Argumente für die Weigerung, eine Innovation im Sinne der Patienten und des gesamten Gesundheitssystems mitzugehen, sind von Apothekerseite keine zu hören. „Man beschränkt sich wie üblich darauf, ohne Rücksicht auf Vernunft die eigenen finanziellen Interessen zu verteidigen", so Präsident Dr. Reisner weiter. „Für die Prüfung der Wechselwirkungen zwischen rezeptpflichtigen Medikamenten braucht niemand einen Apotheker. Einzig und allein die rezeptfreien Präparate sind deren Zuständigkeitsbereich. Und dort gibt es auch die mit großem Abstand meisten Probleme, wie uns Konsumententests leider immer wieder dramatisch vor Augen führen."

Er appelliert daher an die zuständigen Politiker, sich nicht von einer Lobby in die Knie zwingen zu lassen. „Ich erwarte mir daher auch von den Apothekern, dass Sie notwendige Innovationen im Interesse von Medizin, Patientinnen und Patienten sowie der ganzen Gesellschaft mittragen", so Präsident Dr. Reisner zum Abschluss.

Rückfragehinweis:
Ärztekammer Niederösterreich - Pressestelle, Michael Dihlmann, Tel. 0664/1449894, presse@arztnoe.at
Wien, 1. Februar 2010

 
KontaktÄK NÖ - Pressestelle, Michael Dihlmann, Tel. 0664/1449894, presse@arztnoe.at
Artikelversion vonBarbara Platl
01.02.2010
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