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Chefarztpflicht ist nur gesundheitsbürokratische Schikane

Presseinfo vom 21.12.2009

Ein cleverer Schachzug der Politik: Ärztinnen und Ärzte werden immer häufiger zur „Rationierung" dessen eingesetzt, was man auf politischer Ebene nie umsetzen könnte. Und werden wie am Beispiel der Medikamentenkosten dafür auch noch als Kostentreiber dargestellt!

„Wenn heute Funktionäre des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger in einem Pressegespräch die Chefarztpflicht schönreden, so ist das die einseitige Darstellung von Gesundheitsbürokraten. Vermutlich hat keiner der selbsternannten Experten, die mit dem Statement „Klares Ja zur Chefarztpflicht" aufwarten, auch nur einen einzigen Bewilligungsvorgang in einer Kassenpraxis miterlebt", zeigt sich der Medikamentenreferent der Ärztekammer für Niederösterreich Dr. Wolfgang Geppert verärgert.
Die Vertragsärztinnen und -ärzte leiden Tag für Tag unter dieser bürokratischen Schikane, die man in Gesundheitssystemen anderer Länder vergeblich sucht. „Noch vor dem Verlassen des Behandlungsraumes haben wir unseren Patienten Rede und Antwort zu stehen, warum zum Beispiel eine im Krankenhaus begonnene Therapie in der Praxis nicht fortgesetzt werden kann", so Dr. Geppert weiter. „Von einem Chefarzt abgelehnt, der irgendwo im Bundesgebiet vor einem Bildschirm sitzt und den Erkrankten nie zu Gesicht bekommen hat."

Gratis-Medikamente im Spital als Hauptproblem bei Weiterverschreibung

Tatsächlich zählen Weiterverschreibungen zu den größten Problemen im Bereich der Medikation. „Wir Ärztinnen und Ärzte sind verpflichtet, unsere Patientinnen und Patienten nach dem Stand der medizinischen Wissenschaft zu behandeln. Dazu gehört auch die Medikation als wesentliches Element. Nach diesem Grundsatz wird im Krankenhaus die Therapie begonnen, die anschließend von den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten fortgesetzt werden sollte", so Ärztekammerpräsident Dr. Christoph Reisner. In der Praxis beginnen genau hier bei der Weiterverordnung kostenintensiverer Medikamente die Probleme.

Was für die Patientinnen und Patienten in den Kassenpraxen aufgrund der Vorgaben durch die Sozialversicherung oft aus Kostengründen nicht verfügbar ist, gibt es in den Spitälern in Hülle und Fülle. Denn einen Teil der Arzneimittel stellen die Pharmafirmen den Krankenanstaltsapotheken gratis zur Verfügung. So gibt es in den Krankenhäusern keine Einschränkung durch Vorgaben der Kassen bei den Medikamenten. Rasch kann so mit der oft lebensrettenden Behandlung begonnen werden. „Anders in unseren Kassenpraxen. Dort gelten andere Verschreiberichtlinien als im Spital. Ärztinnen und Ärzte werden hier zur „Rationierung" dessen eingesetzt, was man auf politischer Ebene nie durchbringen würde. Und wir Ärztinnnen und Ärzte werden wie am Beispiel der Medikamentenkosten dafür auch noch als Kostentreiber dargestellt", so Ärztekammerpräsident Dr. Reisner weiter. „Liegt bei der Weiterverordnung eines Medikaments aus dem Krankenhaus eine chefärztliche Bewilligung vor, dürfen die daraus entstandenen Kosten nicht dem verordnenden Arzt angelastet werden."

Chefarztpflicht kostet nur Zeit, die dann bei der Behandlung fehlt

So wird die Chefarztpflicht verbunden mit dem ABS (Arzneimittel-Bewilligungs-System) zum Arzneimittel-Blockier-System. „Wir Kassenärztinnen und -ärzte können die Ablehnung in aller Regel aus medizinischer Sicht nicht akzeptieren und beginnen dem Chefarzt zusätzliche Argumente und Befunde zukommen zu lassen, um doch noch eine Bewilligung im Sinne der Patientinnen und Patienten auf Kassenkosten zu erreichen. Nicht selten vergeblich. Dieses Hin und Her findet während der Ordinationszeit statt. Kein Wunder, wenn es im Warteraum zu rumoren beginnt. Mit der Schikane namens „Chefarztpflicht" wird in unseren Praxen kostbare Zeit vergeudet, die uns bei der Patientenzuwendung abgeht", so Dr. Geppert weiter.

Die Sozialversicherungen sind ihren Pflichtmitgliedern gegenüber jedenfalls zur Bereitstellung medizinischer Leistungen und Medikamente verpflichtet. Medikation wird ständig optimiert, daher steigen Lebenserwartung und Lebensqualität. Das kostet natürlich Geld. „Grundsätzlich ist für uns Ärztinnen und Ärzte jede Einschränkung der Zugangsmöglichkeit zu moderner Medikation aus humanitären Gründen abzulehnen. So bleibt für uns Kassenärztinnen und -ärzte, trotz aller Schönfärberei der Funktionäre des Hauptverbands, die bereits vor Jahren erhobene Forderung nach einer Abschaffung der Chefarztpflicht aufrecht. Die bestehenden Finanzierungsprobleme des Gesundheitswesens müssen endlich an der richtigen Stelle angepackt werden", so Dr. Geppert abschließend.


Rückfragehinweis:
- Pressestelle, Michael Dihlmann, Tel. 0664/144 98 94, presse@arztnoe.at

Wien, 21. Dezember 2009

 
KontaktPressestelle, Michael Dihlmann, Tel. 0664/144 98 94, presse@arztnoe.at
Artikelversion vonBarbara Platl
21.12.2009
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